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Inklusion

Gemeinsamer Unterricht an der Schule am Aasee


Gliederung

- Gesetzliche Grundlagen des GU
- GU in Ibbenbüren
- Allgemeine Infos zur Schule am Aasee
- Pädagogische Leitlinien
- 10 Jahre GU - von Integration zur Inklusion
- Säulen der Unterrichtspraxis
  - Individuelle Förderung
  - Soziale Integration
  - Kollegiales Arbeiten im Team



Gesetzliche Grundlagen

- 1973: Der Deutsche Bildungsrat fordert mehr "Integration" im deutschen Bildungswesen.
- 1994: Salamanca-Erklärung der UNO: Inklusion
- 2006: UN-Konvention verpflichtet sich ein inclusive education system zu errichten, in dem der gemeinsamen Unterricht der   Regelfall ist.
- 2009: UN-Konvention tritt in Deutschland in Kraft.
  "Wir anerkennen die Notwendigkeit und Dringlichkeit, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit besonderen Förder-  bedürfnissen (special needs) innerhalb des Regelschulwesens zu unterrichten."
  Zurzeit werden in der BRD noch ca. 80% der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Förderschulen unterrichtet.



GU in Ibbenbüren

- Seit 1996 an der Mauritiusschule
- Seit 2001 an der Schule am Aasee
  - Rechtliche Vorgabe
    - von 2001 bis 2005: Sonderpädagogischen Fördergruppen
    - seit 2006: Integrative Lerngruppen

Pädagogische Umsetzung:
-Schüler wurden von Anfang an weitestgehend in Hauptschulklassen unterrichtet.



Allgemeine Informationen -Schülerschaft-

- zurzeit 320 Schülerinnen und Schüler
- Davon haben 31 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf (sFb).
- Förderschwerpunkte:
  - Lernen
  - Sprache
  - Körperliche und motorische Entwicklung

Schülerinnen und Schüler mit sFb kommen:
  - aus dem Gemeinsamen Unterricht (GU) der Mauritiusschule
  - aus umliegenden Förderschulen
    - Peter-Pan-Schule (Förderschwerpunkt Sprache/Rheine)
    - Helen-Keller-Schule
    - Janusz-Korczak-Schule
    - Schule am Aasee ( "Seiteneinsteiger": SFb wird erst in Schule am Aasee festgestellt.)



Allgemeine Informationen -Integrativen Lerngruppen-

- Alle Schüler der Integrative Lerngruppen (IL) gehören zu einer Hauptschulklasse der entsprechenden Jahrgangsstufe.
- Der Unterricht findet in der Regel in der großen Klasse statt. Grundsatz: Soviel gemeinsames Lernen wie möglich und   getrennte Förderung nur, wo sie notwendig ist.
- Alle Lehrkräfte der Klasse fühlen sich für alle Schüler der Klasse verantwortlich.
- Der Unterricht findet meistens in "Doppelbesetzung" statt.
- Es gibt zurzeit in den Jahrgängen 5 - 9 jeweils eine Integrative Lerngruppe.
- In den Integrationsklassen befinden sich zurzeit jeweils 4 bis 7 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem   Förderbedarf.



Allgemeine Informationen -Ausstattung-

Personelle und materielle Ausstattung

- meistens zwei Lehrkräfte im Unterricht
- vier Sonderpädagogen(Davon sind zwei Sonderpädagoginnen an einer Förderschule und an der Schule am Aasee tätig.)
- zwei zusätzlichen Unterrichtsräumen für äußere Differenzierungsmaßnahmen
- vielfältige Materialausstattung (Computer, Computerprogramme, Anschauungs-materialien, Bücher, Arbeitshefte, .)



Allgemeine Informationen -Abschlüsse-

Abschlüsse im Bildungsgang der Hauptschule (zielgleicher Unterricht nach den Richtlinien der Hauptschule)
- Mittleren Schulabschluss
- Hauptschulabschluss nach Klasse 10
- Hauptschulabschluss nach Klasse 9 (HS 9)

Abschlüsse im Bildungsgang im Fsch Lernen (zieldifferenter Unterricht nach individuellen Förderplänen)
- Hauptschulabschluss (vergleichbar mit HS 9) des Bildungsgangs im Förderschwerpunkt Lernen nach Klasse 10
- Abschluss nach Klasse 10 des Bildungsgangs im Förderschwerpunkt Lernen



Allgemeine Informationen -Kurssystem-

- Jahrgang 5 und 6: Unterricht im Klassenverband
- ab Jahrgang 7: Grundkurse (G-Kurse) und Erweiterungskurse (E- Kurse) in Fächer Mathematik und Englisch
- Jahrgang 10: neue Klassenbildung nach angestrebten Bildungsabschlüssen
  - B-Klassen:
    - Mittleren Schulabschluss
  - A-Klassen:
    - alle anderen Abschlüsse

Die Schüler der integrativen Fördergruppen werden den G-Kursen und im 10. Schuljahr den A-Klassen zugeordnet.



Pädagogische Leitlinien

- Selbstverständliches Miteinander: Alle sind gleichberechtigte Mitglieder der Klasse; niemand wird ausgesondert oder   ausgegrenzt.
- Es gibt keine Einteilung der Klasse in zwei Gruppen: die "Normalen" und die "Anderen".
- Es gibt eine Vielfalt von Schülerinnen und Schülern mit individuellen unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und   Fähigkeiten.
- Verschiedenheit wird als Bereicherung und pädagogische Chance begriffen.
- Individualisierung und Differenzierung im Unterricht: Jeder wird entsprechend seiner Stärken und Schwächen individuell   unterstützt und gefördert.
- Pädagogische Arbeit setzt an den Stärken an.
- Differenzierte Leistungsbewertung
- Soziale Integration: Rücksichtnahme, Respekt, Wertschätzung und Zusammenhalt werden in der Klasse und im Schulleben   gepflegt.
- Pädagogische Probleme werden kollegial im Team gelöst.
- Die Gesamtverantwortung für alle Schüler liegt bei der Hauptschule.
- Integration wird als gemeinsamer Schulentwicklungsauftrag verstanden.



Von einer integrativen zu einer inklusiven Schule

- Vor 10 Jahren: Die Schule am Aasee hat die Türen geöffnet und Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen "hinein   gelassen".
- Von Anfang an große Offenheit: Für die Kollegen war es selbstverständlich, dass die Schüler weitestgehend in einer   Hauptschulklasse unterrichtet werden.
- Im Laufe der 10 Jahre hat sich eine Schule entwickelt, die sich nicht mehr als integrative sondern als inklusive Einrichtung   versteht.

Inklusion ist mehr als nur Hineinlassen. Inklusion heißt systemische Veränderung der Schule, sodass sie den Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten aller Schüler gerecht wird.

"Inklusion ist nicht die Türen aufmachen und die Menschen mit Behinderung auch hinein lassen sondern Mauern verschieben, damit alle drin sein können!"

Zitat v. Prof. Dr. Hillenbrand (Vortrag über Inklusion, 2010 Kloster Gravenhorst)




10 Jahre GU - Beispiele der Schulentwicklung

- Veränderung der Lehrerrollen
- Entwicklung einer Unterrichtsmethodik und -didaktik, die verschiedenen Bildungsgängen im gemeinsamen Unterricht gerecht   wird
- Unterstützung und Ausbau der sozialen Integration in den Klassen und im Schulleben
- Weiterentwicklung von Beratungskonzepten
- Entwicklung einer interdisziplinären Teamarbeit (Dialog und Kooperation mit allen Beteiligten)
- Ausbau von Diagnostik, systematische Evaluation und Prävention in der Schule
- Ausbau der Berufsberatung und -vorbereitung für Schülerinnen und Schüler mit SFb
- Veränderung in Organisation, Struktur und Verwaltung der Schule
- Intensivierung der Elternarbeit
- Vernetzung mit anderen Institutionen



Säulen der Unterrichtspraxis -Individuelle Förderung-

- innere Differenzierungsmaßnahmen
- häufiges Unterrichtsprinzip: themengleich - zieldifferent
- Unterrichtsformen und Methoden, die das Lernen auf unterschiedlichen Niveaus ermöglichen
  - Reduzierung von Frontalunterricht
  - Arbeit nach individuellen Arbeitsplänen
  - Berücksichtigung von Anschaulichkeit und Handlungsorientierung
  - Einsatz von Medien und Materialien, die der Heterogenität der Schüler Rechnung tragen
- Unterstützung des Lernens voneinander
  - Gruppen- und Partnerarbeit
  - Helferprinzip
  - Projekte



Säulen der Unterrichtspraxis -Soziale Integration-

- Soziale Integration geschieht nicht automatisch von selbst
- Neueste Studien decken sich mit unseren Erfahrungen: In heterogenen Lerngruppe finden exkludierende Prozesse statt
  - Ausgrenzung und soziale Ablehnung
  - Entwicklung eines negativen Selbstkonzepts der Schüler mit geringerem Lernniveau

So ist ein entscheidendes (sonder)pädagogische Aufgabenfeld im gemeinsamen Unterricht, exkludierende Prozesse unter den Schülern zu verhindern und ihnen entgegenzuwirken

- Aufgreifen von sozialen Themenkomplexen im Unterricht (Anders sein, verschiedene Schüler - verschiedene Schulen,   Mobbing und Ausgrenzung)
- Regelmäßige Gesprächsrunden im Unterricht
- Klassenaktionen wie Spielnachmittage, Klassenfeste, Klassenfahrten, Wanderungen
- spezielle Angebote in den Bereichen wie Sport, Musik, Theater
- Betätigungs- und Profilierungsmöglichkeiten außerhalb des Unterrichts (Kiosk, Schulchor, Cafeteria, Instru-mentalunterricht,   Schulradio, Reparatur-AG, Mofa-Führerschein .)
- Angebote durch die Sozialpädagogin
- Arbeitsgemeinschaften
- Sportfeste
- Schulveranstaltungen
- Projektwochen
- Schachturniere (Euregio)
- Tägliche Kontakte in den Pausen



Säulen der Unterrichtspraxis -Kollegiales Arbeiten im Team-

- Eine gut funktionierende Teamarbeit ist die Basis des gemeinsamen Unterrichts.

Auch Studien zum Gemeinsamen Unterricht weisen darauf hin "dass die Entwicklung von kommunikativen Strukturen zur Intensivierung der Kooperation zwischen den Lehrkräften ein zentraler Aspekt gelingender integrativer Arbeit ist." (aus: Perspektiven gelingender Integration; Werning, Hannover 2005)

- Teamarbeit in vielfältigen Kooperationsformen:
  - Austausch
  - Beratung
  - Planung
  - Reflexion
  - Absprachen
  - Zusammenarbeit im Unterricht

-Kooperation auf verschiedenen Ebenen:
  - Fachkonferenzen
  - Kernteam (Klassenlehrer, Hauptfachlehrer, Sonderpädagoge)
  - Zweierteam (Lehrer, die zu zweit im Unterricht sind)
  - Jahrgangsstufenteams
  - Gesamtkonferenzen

Vorteile der Arbeit im Team:
- Die Zusammenarbeit von Lehrern mit unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen, Kompetenzen, Begabungen, Interessen und   Charaktere führt zu kreativen Lösungen und langfristig zur Steigerung der Unterrichtsqualität.
- Teamarbeit ist für die Lehrer eine Chance zur Selbsterfahrung und Weiterentwicklung.
- Die Mehrperspektivität ermöglicht einen umfassenderen Blick auf die Schülerinnen und Schüler.
- Eine gute Kooperation ist ein positives Modell für die Schülerinnen und Schüler.
- Die zweite Lehrkraft ist eine zusätzliche konstante Bezugsperson für alle Schüler und Schülerinnen.